Wenn wir ein gutes Buch lesen oder ein intensives Hörspiel hören, merken wir schnell, welche Figuren uns wirklich im Kopf bleiben.
Es sind selten die perfekten.
Nicht die Helden ohne Zweifel.
Nicht die Menschen ohne Fehler.
Es sind die Charaktere, die stolpern.
Die falsche Entscheidungen treffen.
Die mit sich selbst kämpfen.
Gerade diese Unvollkommenheit macht sie glaubwürdig.
Ein Ermittler, der zu weit geht.
Eine Figur, die Angst hat.
Jemand, der nicht immer stark ist.
Solche Figuren fühlen sich echt an.
Und dann schauen wir ins Internet.
Dort scheint oft das Gegenteil zu gelten.
Profile wirken aufgeräumt.
Bilder sind bearbeitet.
Texte wirken durchdacht bis ins Detail.
Alles passt.
Alles ist stimmig.
Alles wirkt kontrolliert.
Auf den ersten Blick beeindruckend.
Auf den zweiten Blick oft austauschbar.
Vielleicht liegt genau hier das Problem.
Wenn alles perfekt ist, bleibt wenig hängen.
Denn Perfektion hat kaum Reibung.
Und ohne Reibung entsteht selten Erinnerung.
Viele Accounts ähneln sich.
Gleiche Trends.
Gleiche Bildwelten.
Gleiche Aussagen.
Das wirkt glatt, aber auch beliebig.
Dabei sind es oft die kleinen Dinge, die Nähe schaffen.
Ein ehrlicher Gedanke.
Ein Moment, der nicht perfekt ist.
Ein Einblick, der nicht inszeniert wirkt.
Das sind die Dinge, die Menschen verbinden.
Nicht, weil sie perfekt sind.
Sondern weil sie echt wirken.
Vielleicht gilt im Internet das Gleiche wie in Geschichten.
Eine Figur ohne Fehler bleibt blass.
Ein Mensch ohne Kanten wirkt schwer greifbar.
Die interessanten Projekte entstehen nicht dort, wo alles makellos ist.
Sondern dort, wo Persönlichkeit sichtbar wird.
Wir leben in einer Zeit, in der vieles geglättet wird.
Filter.
Optimierung.
Inszenierung.
Und trotzdem sehnen sich viele nach etwas Echtem.
Nach etwas, das nicht perfekt ist.
Vielleicht ist es genau das, was wir uns öfter erlauben sollten.
Nicht immer alles glatt zu ziehen.
Nicht jede Ecke zu verstecken.
Sondern einfach Mensch zu bleiben.
Mit Gedanken.
Mit Fehlern.
Und mit den kleinen Unvollkommenheiten, die uns ausmachen.
Denn am Ende sind es genau diese Dinge, die im Kopf bleiben.
Wo hast du bei dir selbst gemerkt, dass „zu perfekt“ eher Abstand schafft als Nähe?